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Telemedizin & DiGAs

Die Digitalisierung der Medizin wird seit Jahren vorangetrieben, einen rasanten Aufschwung erfuhr diese aber erst in den vergangenen Jahren durch die Corona-Pandemie. In dieser Zeit etablierten sich vor allem telemedizinische Anwendungen wie beispielsweise Online-Sprechstunden im Gesundheitswesen. Ein weiterer Gewinner in diesem Kontext stellt auch die Einbindung digitaler Gesundheitsanwendungen dar.

Hätten Sie diese Wendung erwartet – von digitalen Gesundheitsanwendungen auf Rezept über Echtzeit-Online-Sprechstunden bis hin zur Telechirurgie? Erfahren Sie im neuen arcoro INNOVATIONS mehr über die Chancen und Herausforderungen, sowie aktuelle Trends, Market Insights und ein exklusives Experteninterview zum Thema Telemedizin und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs).

Inhalt

Telemedizin & DiGAs

  • Historie, Trends, Fakten und Einsatzbereiche
3
Aktuelle Haupttrends im Gesundheitssektor

  • Online Sprechstunden
  • Vernetzung des Gesundheitswesens durch Telekonsultation
  • Apps auf Rezept
6
Gamechanger (national / international) 8
Interview

  • Dr. Matthias Kuss (XPERTyme GmbH) spricht über Technologieplattformen
    und telemedizinische Anwendungen in der Medizin
11
Deep Dive

  • Elektronische Patientenakte (ePA)
  • Telemonitoring via PA-Sensor
  • Telemedizinische Diagnostikstationen
15
Herausforderungen & Ausblick 19
Market Insights  21
ABOUT arcoro 25

Telemedizin & digitale Gesundheitsanwendungen – Historie, Fakten, Trends und Einsatzbereiche –

Telemedizin und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) als Instrumente der Digitalisierung haben die Strukturen der Medizin nicht nur verändert, sondern auch den Zugang zur Gesundheitsversorgung während der Covid-19-Krise aufrechterhalten. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Telemedizin und was versteht man unter digitalen Gesundheitsanwendungen?

Unter Telemedizin versteht man die Bereitstellung medizinischer Versorgung und Beratungsleistungen, bei der Patient und Arzt bzw. Therapeut räumlich voneinander getrennt sind. Diese Remote-Serviceleistungen ermöglichen es, dass Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, problemlos bei Routineterminen mittels einer zuverlässigen Internetverbindung Informationen mit ihrem medizinischen Ansprechpartner austauschen können. Zu telemedizinischen Services zählen die Bereitstellung und Unterstützung von medizinischen Gesundheitsmaßnahmen, spezifischer medizinischer sowie allgemeiner gesundheitlichen Aufklärung, generelle öffentliche Gesundheitsmaßnahmen und administrative Funktionen.

Auch wenn Telemedizin-Plattformen erst in den vergangenen Jahren an Bekanntheit und Bedeutung gewonnen haben und dadurch als neuartige Technologie gelten, existiert das Prinzip in Realität schon deutlich länger. Denn bereits seit einem halben Jahrhundert forschen und entwickeln Gesundheitsversorger und Tech-Unternehmen an der Bereitstellung von Remote-Services für den medizinischen Bereich. Um die dahinterliegende Technologie besser zu verstehen, eignet es sich einen Blick auf den Ursprung der Telekommunikationstechnologie zu werfen.

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Während die Geburtsstunde des Telefons, Radio und des Telegrafens in das späte 19. Jahrhundert zurückreicht, wurde die Technologie bereits zur Jahrhundertwende ausgeweitet und auch für medizinische Zwecke eingesetzt. In einem Artikel aus der Fachzeitschrift „The Lancet“ aus dem Jahr 1879 wurde prognostiziert, dass das Telefon die Anzahl an Praxisbesuchen in Zukunft reduzieren könnte. Im Jahr 1925 entwickelte Hugo Gernsbeck die Idee eines Teledactyls, ein Instrument zur taktilen Untersuchung von Patienten aus der Ferne mit Hilfe von Funktechnologie und einem zugeschalteten Video-Feed. Obwohl die Erfindung zu diesem Zeitpunkt nicht umgesetzt werden konnte, stellt sie den Ursprung videobasierter medizinischer Remote-Services dar.

In den 1950ern wurden in den USA erstmals Röntgenbilder mittels Telefontechnologie zwischen zwei Gesundheitszentren ausgetauscht und später zu einem Teleradiologie-System weiterentwickelt. Diese frühe Form der Telemedizin sollte damals den Mangel an medizinischen Einrichtungen und Fachkräften speziell in ländlicheren Gebieten kompensieren. Schon bald erkannte man jedoch auch weiteres Potential wie das einfache Austauschen von Patentendaten, Testergebnissen oder die generelle Reduzierung von Wartezeiten und Anfahrtswegen. Seit je her wurde die Technologie weiter optimiert und hatte ihren großen Durchbruch 2020 mit dem Beginn der Pandemie.

Der nationale Markt für digitale Gesundheit wächst rasant. Im Jahr 2020 wurde ein weltweiter Umsatz von 200 Milliarden USD erwirtschaftet und Prognosen zur Folge soll bereits im Jahr 2025 ein Umsatz von rund 979 Milliarden USD erzielt werden. Für diesen schnellen Wachstum und die optimistischen Zahlen trägt nicht zuletzt die Pandemie bei, die die Einführung und Etablierung von Digital-Health-Lösungen laut Experten um zwei Jahre beschleunigt hat. Während 2017 nur vereinzelt telemedizinische Anwendungen angeboten wurden, nämlich von rund 2% der niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen, boten ab 2020 rund 50% Online-Sprechstunden an.

In Europa wird der Markt seit 2020 vor allem durch Fernkonsultationen und anderen telemedizinischen Diensten vorangetrieben. Prognosen aus dem Jahr 2020 versprachen basierend auf der Nachfrage für das Jahr 2021 einen weltweiten Umsatz von 80,5 Milliarden USD für Telemedizin. Bis 2025 erwarten Experten sogar einen Anstieg auf 218,5 Milliarden USD.

Digitale Gesundheitsanwendungen sind Medizinprodukte mit niedriger Risikoklasse (I und IIa), die auf einer digitalen Technologie – nämlich Apps oder Desktop-/ Browseranwendungen – basieren und CE zertifiziert sind. DiGAs müssen auch nicht nur auf einer Software basieren, sondern können auch zusätzliche Geräte, Sensoren, und andere Hardware wie beispielsweise Wearables umfassen. Im Alltagsgebrauch werden oftmals Gesundheitsapps und DiGAs gleichgesetzt, was jedoch in Realität streng zu unterscheiden ist. DiGAs werden im Gegensatz zu gewöhnlichen Gesundheitsapps durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft, sind durch Ärzte zu verschreiben und die Kosten werden durch Krankenkassen erstattet. Auch wenn beide App-Gruppen zur Unterstützung von Krankheiten dienen, unterliegen DiGAs deutlich strengeren Regulierungen sowie Prüfverfahren. Digitale Gesundheitsanwendungen unterstützen auf dem Weg zu einer selbstbestimmten gesundheitsförderlichen Lebensführung durch die Erkennung und zielgerichtete Behandlung von Krankheiten. DiGAs müssen einen 12 bis 24-monatigen Erprobungszeitraum durchlaufen und werden daraufhin basierend auf vorliegenden Prüfnachweisen positiver Versorgungseffekte entweder dauerhaft oder zunächst temporär in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Mit Hilfe einer ICD-Codierung können von den Herstellern Indikationsgruppen festgelegt werden, sodass Ärzte und Therapeuten einfach und effizient passende DiGAs für Ihre Patienten finden und verschreiben können.

Seit Ende 2020 sind DiGAs erstattungsfähig, jedoch hat sich der digitale Trend in der breiten Masse noch nicht vollständig etabliert. Im Juli 2021 wurden lediglich rund 200.000 Downloads getätigt. Die am häufigsten genutzten Anwendungsfelder sind bislang bei chronischem Tinnitus und Rückenschmerzen, sowie bei Adipositas und Migräne. Die stärksten Nutzergruppen sind aktuell Patienten zwischen 50 und 59 Jahren, gefolgt von der 30bis 39-jährigen Patientengruppe. Die größte Herausforderung scheint aktuell jedoch nicht die Offenheit der Patienten gegenüber neuen digitalen Instrumenten zu sein, sondern vielmehr an der Akzeptanz und dem Verhalten der Ärzte, die DiGAs noch skeptisch gegenüberstehen.

Auch wenn die Technologie einen entscheidenden Fortschritt gemacht hat und die Gesundheitsversorgung speziell in Zeiten der Kontaktreduzierung aufrechterhalten hat, gilt dennoch, dass Telemedizin und DiGAs keinen vollständigen Ersatz für persönliche Arztbesuche oder anderweitige klinische Serviceleistungen darstellen kann. Da telemedizinische Anwendungen und digitale Gesundheitsanwendungen nur auf verbalen Symptombeschreibungen oder unterstützenden Fakten durch Appauswertungen bestehen, kann dies nicht zu einer endgültigen ärztlichen Beurteilung ausreichen, sondern Bedarf im Weiteren eine persönliche Kontrolle, bei der der Arzt den Patienten direkt vor sich hat und an diesem arbeiten kann. Dennoch unterstützt Telemedizin vor allem bei kurzen Kontrollen, ersten Diagnosestellungen, Rezeptausstellungen und Krankschreibungen.

Telemedizin und digitale Gesundheitsanwendungen lassen sich in folgende Kategorien und Einsatzgebiete gliedern: